Speedriding-Praxis

Speedriding begeistert selbst erfahrene Luftsportler durch
die Möglichkeit des ständigen Touch-and-Go mit Skiern ...

Wie oft und wie intensiv der Bodenkontakt erfolgt hängt beim Speedriding ganz von Dir selbst ab. Für manche stellt gerade die Action-geladene Nähe zum Berg eine fliegerische Herausforderung dar. Für andere ist das Gefühl, in sicherem Abstand entlang der Bergkonturen über die Pisten zu gleiten, das eigentliche Erlebnis.

Egal, welcher Speedriding-Stil am besten zu Dir passt: Du musst Start-, Flug- und Landemanöver beherrschen, um den Sport sicher ausüben zu können und das Unfallrisiko so gering wie möglich zu halten.Wenn Du noch keine Erfahrungen mit Speedriding gemacht hast, findest Du hier eine kurze Erklärung dazu, wie solche Manöver funktionieren.


WICHTIG: Die folgenden Artikel sollen Dir nur als theoretischer Einblick in ein neues Thema dienen. Sie sind kein Ersatz für eine fachkundige praktische Einweisung. Es gibt neben der richtigen Technik noch andere Faktoren, die man unter Kontrolle haben muss, um sich selbst und Andere beim Speedriding nicht zu gefährden. Mehr zum Thema Sicherheit und Rücksicht findest Du hier:

Sicherheit beim Speedriding

Sicherheit in unserer Speedriding-Schule


Teil 1: Starten mit einem Speedriding-Schirm

Vor dem Start gilt es ein auf Dein Können abgestimmtes Gelände zu wählen und eine Reihe von Vorflugchecks und Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen - z.B. Wetter-Check, Flugroutenplanung und Notlandeplätze, Partner-Check, etc ...

Speedriding-Equipment anlegen

Wenn Du es nicht schon längst während oder vor der Bahnfahrt getan hast, legst Du Dein Gurtzeug an und prüfst alle Schnallen und Verschlüsse doppelt und dreifach. Ist dies erledigt breitest Du Deinen Speedschirm hinter Dir auf dem Boden aus, sortierst die Leinen, prüfst sie auf Verdrehungen, Knoten oder Line-Overs und hängst sie letztendlich in die hüfthohen Karabiner Deines Speedriding-Gurtzeugs ein.

Schirm Auslegen und Angurten

Je nach Wetter und Location bietet es sich vielleicht an, Dir für diese Arbeit ein windgeschütztes, flaches Fleckchen auszusuchen. In diesem Fall raffst Du Deinen kleinen Schirm nach dem Auslegen und Sortieren an den oberen Leinenenden einfach zusammen, fährst zu Deinem Startplatz und legst ihn mit ausgebreiteten Stabilisatoren an den Flügelenden wieder hinter Dir ab.

Jetzt positionierst Du Dich und Deine Ski abfahrbereit im Gelände. Danach greifst Du die Bremsschlaufen und legst gleichzeitig die Leinengurte über Deine Armbeugen. Nach einigen Sicherheitschecks (Gurtzeug, Leinen, Schirm, freies Gelände und freier Luftraum, Wind) kann's losgehen …

Aufziehphase

Dank der Konstruktion der Speed-Schirme und der Geschwindigkeit Deiner Ski kannst Du die Aufziehphase innerhalb sehr kurzer Zeit bewältigen. Wegen der extrem kleinen Fläche des Schirms ist die Startstrecke beim Speedriding länger und die Abhebegeschwindigkeit höher als bei einem Gleitschirmstart.

Wenn Du losfährst wird der Schirm je nach Neigung des Geländes und Stärke des Windes träge oder dynamisch hinter Dir aufsteigen. Es kann passieren, dass er Dir dabei seitlich ausbricht. Dieser Situation begegnest Du am besten mit einem Unterfahren oder Gegenlenken.

Fehlfunktionen kommen während der Startphase auch vor - z.B. durch einen Knoten in den Leinen. Es ist deshalb unbedingt notwendig, dass Du Dich an eine Speedriding-Schule wendest, um einen kontrollierten und sicheren Umgang mit solchen Situationen zu lernen.

Kontrollblick und Beschleunigung

Sobald der Schirm über Deinen Kopf gleitet, bremst Du ihn soweit an bis er senkrecht über Dir stehen bleibt. Diesen Moment nutzt Du für einen kurzen Kappen-Check ...

Sobald Du sichergestellt hast, dass keine Störungen vorliegen, lockerst Du die Bremsen wieder und beschleunigst Deine Fahrt. Merkst Du, dass etwas nicht in Ordnung ist, hast Du genug Zeit um abzuschwingen und Deinen Ride rechtzeitig abzubrechen. Und wenn doch, dann bist Du jetzt bereit um abzuheben.


Teil 2: Fliegen mit einem Speedriding-Schirm

Je nach Startgewicht, Größe Deines Schirms, Windstärke, Neigung des Hanges, und anderen Faktoren wirst Du nach dem Start mit Geschwindigkeiten zwischen 30 und 70 km/h durch's Gelände heizen. Profis können sogar Geschwindigkeiten von über 100km/h erreichen ...

Anbremsen und Abheben

Die dabei vorhandene Bewegungsenergie Deines Speedrides kannst Du jetzt in zusätzliche Auftriebsleistung umwandeln, indem Du einfach symmetrisch an den beiden Steuerleinen ziehst. Dadurch verringert sich der Gleitwinkel Deines Speedschirms. Ist dieser flacher als die Neigung des Berges, hebst Du ab.Das macht besonders viel Spaß, wenn Du Dir Bodenwellen oder Kliffs als Sprungbrett suchst.

Fliegen und Gleiten

Im Gegensatz zu einem Gleitschirm erreicht Dein Speedschirm im Flug den Punkt des besten Gleitens (also das bestmögliche Verhältnis zwischen Vorwärtsfahrt und Sinken) nicht im ungebremsten Zustand, sondern - je nach Hersteller und Trimmeinstellungen - bei 20-40% angezogener Bremse. Das bedeutet, dass sich Deine Gleitleistung verringert (Du fliegst also steiler) und sich gleichzeitig Deine Geschwindigkeit erhöht, sobald Du die Bremsen lockerst.

Gleitwinkelfenster

Dieser Spielraum bei der Gleitwinkelsteuerung eröffnet Dir ungeahnte Möglichkeiten, wenn es darum geht, den Konturen der Berge zu folgen und Bergreliefs hinab zu tauchen.

Eine Besonderheit der Speedriding-Schirme ist dabei auch das klappstabile Profil, welches Dich selbst bei radikalen Manövern um Längs- und Querachse weitestgehend vor seitlichen oder frontalen Einklappern Deines Schirms schützt - professionelles Schirm-Handling und das richtige Wetter vorausgesetzt. Und dank der unmittelbar umgesetzten Steuerimpulse kannst Du Deinen Speedschirm schon durch einem dynamischen 90°-Turn in einen steilen Sturzflug lenken.

Genau diese Art von Schirm-Performance ist auch der Grund weswegen Speedriding selbst abgebrühte Schirmpiloten und Extremsportler in Euphorie versetzt.


Teil 3: Landen mit einem Speedriding-Schirm

Bist Du ein Gleitschirmpilot, dann kann es passieren, dass das erste Landemanöver mit einem Speed-Schirm aufgrund der unterschiedlichen Gleitwinkelsteuerung sehr ungewohnt für Dich ist ...

Ungewohnt für Gleitschirmflieger

Bist Du ein Gleitschirmpilot, dann kann es sein, dass das erste Landemanöver mit einem Speedriding-Schirm wegen der unterschiedlichen Gleitwinkel-Steuerung sehr ungewohnt für Dich ist. Denn wenn Du die Bremsschlaufen des angebremsten Schirms nach oben freigibst, um mehr Strecke in Richtung Zielpunkt zu machen, wirst Du schnell feststellen, dass Du in Wirklichkeit Höhe abbaust und der Gleitwinkel steiler wird. Aber gleichzeitig wirst Du auch schneller. Und genau das ist beim Speedriding wichtig. Nämlich aus folgendem Grund:

Bewegungsenergie und Auftriebsleistung

Speedriding-Schirme sind extrem klein und haben deswegen eine sehr hohe Flächenbelastung. Das hat zur Folge, dass die Auftriebsleistung im Normalflug sehr gering ist - besonders im Vergleich zu der eines 2 bis 3-fach so großen Gleitschirms. Hierfür kann allerdings Deine Bewegungsenergie kompensieren, die Du im beschleunigten Flug aufgebaut hast und die Du durch Bremsen in Auftriebsleistung umwandeln kannst.

Am besten also im Landeanflug die Bremsen ganz lockern (Arme ganz oben) und dann kurz vor dem Aufsetzen kräftig flaren (Bremsen mit beiden Armen beherzt nach unten durchziehen). Deine Ski helfen Dir im Moment des Aufsetzens zusätzlich Deine vertikale Geschwindigkeit nach vorne abzutransportieren und sanft zu landen.


Teil 4: Riding mit einem Speedriding-Schirm

Das Riden mit einem Speedriding-Schirm ist letztendlich nichts anderes als ein kurz aufeinanderfolgendes Lande- und Abhebemanöver. Oftmals kannst Du Deinen Schirm allerdings nicht wie bei einem gezielten Landeanflug über eine längere Strecke kinetisch aufladen.

Energiehaushalt beim Speedriding

Als Speedrider solltest Du Dir also darüber im Klaren sein, dass die aerodynamische Leistungsfähigkeit Deines Speed-Schirms sehr stark von den Manövern, die Du gerade fliegst, abhängt und somit auch von Situation zu Situation eine andere Steuerdynamik auftritt.

So kannst Du auf der einen Seite die Dynamik eines scharfen, steilen Turns (wie beim Swooping) für eine extrem lange Schwebephase nutzen. Auf der anderen Seite führt ein Ride auf einem Geländestück, das flacher ist als Dein Gleitwinkel, dazu, dass Dein Speedschirm an Performance verliert. Er reagiert dann träger auf Dein Steuerinput und hebt aufgrund der geringen Auftriebsleistung schwerer ab.

Touch-and-Go

Sobald Du gelernt hast mit dieser Dynamik umzugehen ist der ultimative Fun beim Speed-RIDING das sogenannte "Touch-and-Go". Mit anderen Worten der ständige Bodenkontakt - Aufsetzen und Abheben.

Das kannst Du auf unterschiedlichste Art und Weise umsetzen: Entweder in gemütlich langgezogenen Kurven oder in kurzen dynamischen Turns. Du kannst Deine Turns in der Luft fliegen und die Geraden riden ... und umgekehrt. Oder Du lässt Dich einfach von den Begebenheiten des Geländes leiten: Hier ein Hindernis umflogen, dort einen Abhang entlang gecarved und dann noch über den Felsvorsprung gesprungen und in die nächste Tiefschneepassage hinein gestochen.

Da kann man sich so richtig austoben - Speedriding in Höchstform!


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